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Stadt unter Strom: Elektrizität und Elektrifizierung

Mit der Elektrischen Revolution ab 1880 entwickelte sich Berlin zu einer rasant wachsenden Stadt, die binnen zweier Jahrzehnte zur zeitweise größten Metropole auf dem europäischen Kontinent avancierte. Die deutsche Reichshauptstadt war in vielen Industriezweigen führend – zu ihrem großen Alleinstellungsmerkmal aber entwickelten sich die Elektrizitätswirtschaft und die Elektroindustrie. Auch die Versorgung der Stadt mit öffentlicher Infrastruktur wurde weltweit zum Vorbild. Die „Elektropolis Berlin“ galt vor dem Ersten Weltkrieg als Synonym für die moderne, vernetzte Stadt.

In der jungen Hauptstadt konzentrierten sich spätestens ab 1871 Verwaltung, Lobbyisten und Banken. Auch die Technische Hochschule Charlottenburg und das hervorragende öffentliche Bildungssystem trugen zur Herausbildung des besonderen Elektrizitäts-Clusters in Berlin bei. Schon um 1900 hatte Berlin einen festen Platz im Weltmarkt. Binnen weniger Jahrzehnte waren Berlin zur Metropole und Deutschland zur Exportnation aufgestiegen.

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Elektropolis Berlin

Der Kernbereich der „Elektropolis Berlin“ bestand aus einem Akteursgeflecht von Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern, Ingenieuren, Architekten, Bankern, Financiers u.a., die sich untereinander bestens kannten und über ausgezeichnete internationale Verbindungen verfügten. Dieses besondere Milieu war ein fruchtbarer Nährboden für technische und gesellschaftliche Innovationen.

Die Stadt selbst wurde zum Labor für die Erprobung und Anwendung der neuen Technik. Erste Funkversuche fanden am Wannsee statt. Die öffentliche Stromversorgung lässt sich auf eine exklusive Testvorführung elektrischer Beleuchtung durch Emil Rathenau in einem noblen Restaurant 1882 zurückführen. Nachdem die wichtigsten Akteure der Stadt von den Vorzügen der Elektrizität überzeugt waren und die Kommunalpolitik darin auch einen wichtigen Beitrag zum Allgemeinwohl und zum gesellschaftlichen Fortschritt sah, wurde die öffentliche Stromversorgung zu einem flächendeckenden Phänomen. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die Berliner Privathaushalte an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossen: 1914 waren es 5%, 1925 bereits 25%, 1938 dann 92%.

Mit dem Aufbau einer flächendeckenden Stromversorgung entstand auch ein neuer Markt für Anwendungstechniken. Die Entwicklung von Funk und Fernsehen und der ersten Elektrogeräte, wie Spül- und Waschmaschinen oder Kühlschränken, ließ die Elektroindustrie rasch anwachsen. Massive Werbemaßnahmen im öffentlichen Raum begleiteten die Markteinführung der neuen Produkte. In konzerneigenen Vorführräumen sollte das Publikum von den Vorzügen des elektrischen Lebens überzeugt werden. Die Elektrounternehmen waren auch in der Markenentwicklung innovativ. Die AEG beispielsweise ließ als eines der ersten Unternehmen überhaupt ihren Firmennamen zum Markenzeichen und von Peter Behrens ein Corporate Design entwickeln.

Auf dem Weltmarkt hatte sich Berlin bis 1900 als Global Player etabliert. Zusammen mit den US-amerikanischen Konzernen Westinghouse und General Electric dominierten Siemens und AEG, die beiden großen Berliner Elektrogruppen, den Weltmarkt. Untereinander gab es Abkommen zum Heimatmarktschutz und einen engen Technologietransfer. Auch einige spannende Fälle von Industriespionage sind bekannt. Die Berliner Banken waren von Anfang an in die Aktivitäten der Konzerne involviert. Sie sicherten die Vorfinanzierung des kapitalintensiven Anlagenbaus.

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