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Zentrum Industriekultur

25.10.2013   Workshop: "Industrial and Mining Landscapes"

Smelting works Freiberg-Muldenhütten (c) Helmuth Albrecht
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Industrial and Mining Landscapes within World Heritage Context

International Workshop
Friday, 25th of October 2013
TU Bergakademie Freiberg, Saxony/Germany

Organizers:
- ICOMOS-Germany
- TICCIH-Germany
- IWTG TU Bergakademie Freiberg
- Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH
Für das BZI nahm Koordinatorin Marion Steiner an dem Workshop teil. Ein paar ihrer Gedanken und Schlussfolgerungen für Berlin finden Sie unten (auf Deutsch). Das Programm des Workshops können Sie hier herunterladen (auf Englisch):

Gedanken und Schlussfolgerungen für Berlin

Das BZI nahm an dem englischsprachigen Workshop in Freiberg teil, um sich mit Kollegen aus verschiedenen europäischen Regionen über Interpretationsmöglichkeiten von Industrielandschaften auszutauschen, und um darüber zu diskutieren, wie die internationale Industriekultur-Community den Neubeginn oder auch die Weiterführung industrieller Aktivität in industriekulturellen Welterbe-Gebieten bewerten will.

1) Landschaftsinterpretation
Die meisten der vorgestellten Projekte gehören mittlerweile zum Weltkulturerbe. Die Ausgangsmotivationen und die konzeptionellen Interpretationsansätze sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Eine hohe Komplexität in der Interpretation zeichnet zum Beispiel die Bergbaulandschaft Nordfrankreichs aus, die seit 2012 den Titel Welterbe-Landschaft trägt, oder auch die Mining Landscape von Cornwall, die sich auf eine Serie von zehn Einzelgebieten stützt. Die transnationale deutsch-tschechische Bewerbung des Erzgebirges ist ein weiteres Beispiel. Andere Regionen konzentrieren sich bei ihrer Interpretationsarbeit auf Einzelobjekte, die in ihrer Summe eine Gesamtheit erklären sollen. Dabei wird allerdings die Aufgabe, die Besonderheiten des Landschaftsgefüges zu interpretieren, leicht umschifft. Die Berliner Elektropolis-Initiative legt in ihrer aktuellen Konzeption einen Schwerpunkt auf die Architektur von Einzelobjekten.

Das BZI wünscht sich für die nächsten Jahre mehr Komplexität in der Interpretation der "Elektropolis Berlin", denn im internationalen Kontext sollte sich Berlin der Aufgabe stellen, drei Besonderheiten zu erklären, die in bisherigen Industriekultur-Initiativen in dieser Form noch nie aufeinander trafen: a) Berlin ist eine Großstadtlandschaft, keine Bergbaulandschaft in ländlichen Gebieten oder eine schwerindustrielle Agglomeration; b) Berlin ist ein Zeugnis der Elektrischen Revolution, nicht der rohstoffgebundenen ersten Industriellen Resolution; c) Berlin war Akteurs- und Kommunikationsknoten in einem globalen Netz: Die Akteure der deutschen Hauptstadt waren untereinander und international gut vernetzt, und dies war wesentlich für den Aufstieg Berlins zur Weltstadt und Deutschlands zur Exportnation. Diese und ggf. weitere Aspekte sollte eine Welterbe-Bewerbung Berlins als "Elektropolis" prominent zum Ausdruck bringen.

2) Industrielle Aktivität in Welterbestätten
Der Fall Cornwall löste im letzten Jahr heiße Diskussionen in der internationalen Welterbe-Community aus. Ein Bergbauunternehmen wollte auf einem Gelände, das zu Teilen zum Kernbereich des Welterbes gehört, in neue Abbauaktivitäten investieren, das Welterbe-Komitee der Unesco schloss dies aber auf seiner Sitzung in St. Petersburg 2012 kategorisch aus. Begründung: Industrielle Aktivität mindert per se den kulturellen Wert von Landschaften und ihrer Objekte. Aus Sicht der internationalen Industriekultur-Community kann es aber durchaus Fälle geben, in denen eine Wiederaufnahme oder auch eine Weiterführung einer industriellen Aktivität, die am Ursprung des Entstehens dieser speziellen Industriekulturlandschaften stand, einen unmittelbaren Teil des authentischen Wertes dieser Orte ausmacht. Allerdings sind damit noch genauer zu bestimmende Bedingungen verbunden.

In Cornwall hat sich diese Fragestellung für den Moment erledigt, da sich der Investor entschieden hat, woanders aktiv zu werden. Aufgrund der vorhandenen Rohstoffe ist aber zu erwarten, dass sich diese Frage hier schon bald erneut stellen wird. Die schwedischen Kollegen machten in ihrem Beitrag deutlich, dass sich auch Falun mit ähnlichen Fragen beschäftigt. Für Berlin ist die Frage ebenfalls aktuell, da viele der bedeutendsten Stätten der Elektropolis bis heute weiter in Betrieb sind und es als wünschens- und erstrebenswert angesehen wird, dass dies auch so bleibt. Die internationale Industriekultur-Community hat deshalb beschlossen, sich mit dieser Frage künftig intensiver auseinanderzusetzen, und TICCIH hat ein erstes Memorandum für Bergbau-Welterbestätten erarbeitet, das auf dem Workshop vorgestellt wurde.

Auch hier kann und sollte Berlin einen Beitrag zur Diskussion leisten, um die Fragestellung über klassische Bergbaulandschaften hinaus auf großstädtische Gebiete und weitere Industriebranchen zu erweitern und gemeinsam mit den internationalen Kollegen nach intelligenten Lösungswegen zu suchen.
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