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Zentrum Industriekultur

Was ist Industriekultur?

Für die bisherigen Industriekultur-Bewegungen in Deutschland - im Ruhrgebiet und dem Saarland, in Sachsen und der Lausitz - ist typisch, dass sie aus gesellschaftlichen Notsituationen heraus entstanden sind. Mit dem Strukturwandel - im Westen ausgelöst durch die Kohle- und Stahlkrisen der 1960er Jahre, im Osten durch die Implosion der DDR - brach in diesen Regionen ein ganzes gesellschaftliches System zusammen.

Der zunehmende Verfall und der drohende Abriss der letzten Zeugnisse einer meist weit zurückliegenden wirtschaftlichen Blütezeit wurden von der regionalen Bevölkerung als existentieller Angriff auf die eigene Identität begriffen. Der Kampf für den Erhalt war damit immer auch ein politisches Projekt und ein Projekt gesellschaftlicher Anerkennung. Über Maßnahmen wie die IBA Emscher Park im Ruhrgebiet 1989-1999 oder die IBA See in der Lausitz 2000-2010 wurde der Begriff "Industriekultur" international bekannt.

Mit der "Industriekultur" ist seit den 1970er Jahren ein Konzept entstanden, das einen umfassenden Blick auf die Phänomene des Industriezeitalters ermöglicht. Der Begriff steht bis heute für das Studium der vielfältigen und tiefgreifenden Auswirkungen, die die Industrialisierung auf das Zusammenleben der Menschen hat und schließt auch die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen gesellschaftlichen Gegenwart mit ein.
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