Bötzow Brauerei aus gelbem Backstein
Heutige Ansicht der Bötzow Brauerei.
Historische Aufnahme von der Bötzow Brauerei um 1900
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Erbaut
1876 - 1927

Bauherr
Julius Bötzow

Architekt
G. Dittrich, Th. Friedrichs, Th. Lipps u.a.

Früher
Brauereigelände, Biergarten

Heute
Kultur- und Veranstaltungsort, Gastronomie, Gewerbeflächen

Die Installation Futuring am Schornstein von Eva & Adele leuchtet seit 2013 von der Bötzow Brauerei. | © Foto: Andreas Muhs

Bötzow Brauerei

Im Jahr 2014 blickt das Areal der Bötzow Brauerei auf eine 150-jährige Geschichte in Prenzlauer Berg zurück. Ende des 19. Jahrhunderts ist die Brauerei lange Zeit wichtiger Bierlieferant für die Berliner Bevölkerung und darf sogar den Kaiser beliefern. Zu dem Gelände gehört damals ein bekannter Biergarten, der Platz für bis zu 6.000 Gäste bietet. Der junge Unternehmer Julius Bötzow schafft es, mit seiner Brauerei zum größten privaten Bierbrauer in ganz Deutschland aufzusteigen.

Der Standort am unteren Ende der Prenzlauer Allee wächst ab 1884 bis 1927 kontinuierlich. Neben weitläufigen Kellergewölben und Wirtschaftsgebäuden lässt Bötzow auch seine private Villa auf dem Gelände errichten. Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und der teilweisen Zerstörung der Brauerei im Zweiten Weltkrieg kommt das Aus.

Seit ein paar Jahren läuft die Reaktivierung des Geländes. Die denkmalgerechte Sanierung kombiniert mit Neubauten übernimmt Chipperfield Architects, die bereits beim Umbau des Neuen Museums Maßstäbe gesetzt haben.

Mittlerweile gibt es ein Prothesenzentrum, verschiedene Unternehmen und ein Fitnessstudio auf dem Gelände. 2024 eröffnet dort ein Biergarten – das Areal der Bötzow Brauerei kehrt damit zurück zu seinen Wurzeln.


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Paar picknickt auf der Wiese der Biotürme
Biotürme Lauchhammer mit Besuchergruppe
Zwei verglaste Aussichtskanzeln gewähren einen Blick über das Areal. | © Foto: Tourismusverbandes Lausitzer Seenland e.V., Foto: Nada Quenzel
Adresse

Finsterwalder Straße 57
01979 Lauchhammer-West

Biotürme Lauchhammer

In der südbrandenburgischen Stadt Lauchhammer ragen 24 geklinkerte Biotürme in den Himmel. Mit ihren 22 m Höhe und ihrer eigenwilligen Architektur sind sie ein geradezu mystisches Monument. Aus technischer Warte betrachtet sind sie allerdings eher marginaler Bedeutung und Größe.

Die Biotürme Lauchhammer sind das einzige Relikt einer riesigen Kokereianlage. Es war die erste weltweit, die aus Braunkohle Hochtemperaturkoks für die Verhüttung von Eisenerz herstellte. Dabei entstanden phenolhaltige Abwässer, die in den 1957-59 errichteten Türmen biologisch aufbereitet wurden – daher die Bezeichnung Biotürme. Das Wasser rann durch Hochofenschlacke, auf die spezielle Bakterien aufgebracht waren, die die Schadstoffe reduzierten. Anschließend gelangte das gereinigte Wasser in den Fluss Schwarze Elster.

Die Kokerei stellt ihren Betrieb 2002 ein. Die Biotürme stehen jedoch schon seit 1996 unter Denkmalschutz. So blieben sie vom Abriss verschont und stehen seitdem als Wahrzeichen für die untergehende Energiewirtschaft der DDR. Gleichzeitig entwickeln sie sich zu einem Ort der Auseinandersetzung mit nachhaltiger Energieumwandlung. Einer der Türme kann heute bestiegen werden. Oben bietet sich durch zwei verglaste Aussichtskanzeln ein weiter Blick über das Areal der ehemaligen Großkokerei.

 
Berliner Bürgerbräu Brauerei. Ansicht vom Müggelsee.
Fassade der Berliner Bürger-Bräu
Verlassene Berliner Bürgerbräu Brauerei
Außenansicht eines Brauereigebäudes
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Erbaut
um 1900

Bauherr
Genossenschafts-Brauerei

Früher
Brauereigebäude, Gaststätte

Die ehemalige Berliner Bürgerbräu Brauerei liegt am Müggelsee in Friedrichshagen. | © bzi, Foto: Max Braun

Berliner Bürgerbräu Brauerei

Als das „Bräustübl“, der Ausschank der Berliner Bürgerbräu Brauerei am Müggelsee, 1990 wieder öffnet, kommt sogar der Regierende Bürgermeister Walter Momper. Ob er sich damals ein „Rotkehlchen“ gönnt, die Spezialität des Hauses im roten Henkelglas, ist nicht überliefert. Zwanzig Jahre später endet jedoch die lange Geschichte einer der ältesten lokalen Brauereien endgültig. Rotkehlchen und andere Sorten sind weiter unter der Marke Bürgerbräu im Handel, werden aber seit 2010 von der sächsischen Radeberger Gruppe in Pankow produziert.

1869 gründet Hermann Schäfer auf einem aufgelösten königlichen Lehnsgut die Lindbrauerei. Seine Brauer bestücken die Eiskeller damals mit Natureis aus dem Müggelsee. 1901 übernimmt eine Genossenschaft Berliner Gastwirte die Brauerei. Sie investieren, vergrößern und modernisieren, der Ausstoß steigt. Zusätzlich zu den üblichen Pferdefuhrwerken transportieren jetzt auch firmeneigene Dampfschiffe die Fässer nach Berlin.

In der Nacht vom 14. auf den 15. September 1926 brennt das Brauereigelände. Beim anschließenden Wiederaufbau entstehen bis 1930 die Gebäude, die noch heute zu sehen sind. Im Zweiten Weltkrieg halten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter die Produktion aufrecht. Ab 1949 braut der VEB Berliner Bürgerbräu auch für den Export ins nicht-sozialistische Ausland. Bürgerbräu schmeckt selbst in Japan, Australien sowie den USA – und erwirtschaftet Devisen für den DDR-Staatshaushalt.

Mit dem Ende der Produktion 2010 schließt auch das kleine Brauereimuseum aus den 1990er-Jahren. Die denkmalgeschützten weiß gefassten Brauereigebäude mit den markanten Rundbogenfenstern stehen inzwischen leer. Allein das Bräustübl Friedrichshagen hält sich und lädt auf ein „Rotkehlchen“ an den Müggelsee ein – fast wie in alten Tagen.

Die Berliner Bürgerbräu Brauerei ist Teil unserer Publikation „Berliner Schriften zur Industriekultur“ Band 2.


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Bärenquell-Brauerei in Schöneweide
Straßenansicht Bärenquell-Brauerei in Schöneweide
Außenansicht des Innenhofes
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Erbaut
1882 - 1888

Bauherr
Brauerei Borussia Meinert und Kampfhenkel

Architekt
H.O. Obrikat, Robert Buntzel (Maurermeister)

Früher
Brauereigelände, Biergarten

Heute
Eventlocation

Das Bierlager mit Kühlturm in der ehmaligen Bärenquell-Brauerei in Schöneweide. | © bzi, Foto: Max Braun

Bärenquell-Brauerei

Ab 1882 errichtet die „Borussia Brauerei Meinert und Kampfhenkel“ die ersten Gebäude ihres Brauereigeländes an der Schnellerstraße. Sein markantes Erscheinungsbild erhält die Bärenquell-Brauerei in den Jahren nach 1898, als der Berliner Platzhirsch „Schultheiss“ die kleinere „Borussia“ aufkauft und kräftig ausbaut.

Dabei entsteht eine Spannung, die die Industriearchitektur noch bis ins neue Jahrhundert hinein kennzeichnet: Außen schmückt der Architekt H.O. Obrikat die Gebäude mit Türmen, Dächern und Fassadenschmuck wie eine mittelalterliche Burg. Direkt hinter den Mauern aber kommt neueste Technik zum Einsatz. Elektromotoren betreiben sämtliche Maschinen, ein werkseigenes Kraftwerk liefert den Strom. Weil am Spreeufer das Graben von Kellergeschossen nicht möglich ist, lagern die abgefüllten Flaschen in einem oberirdischen Kühlturm, von Kompressoren künstlich gekühlt. Von solchen Details bekommen die Gäste draußen im Biergarten nichts mit: Sie genießen ihr kühles Bier in einer romantischen Grotten- und Felsenarchitektur, die heute weitgehend verloren ist.

Als „VEB Bärenquell“ läuft die Produktion auch in der DDR weiter. Über einhundert Jahre, bis 1995, wird am Standort Bier gebraut, dann fallen die Anlagen in einen Dornröschenschlaf.

Seit Herbst 2020 hat der Technoclub Griessmühle auf dem Gelände der ehemaligen Bärenquell-Brauerei ein neues Zuhause. Mit dem Baergarten knüpfen die Macher des „ Revier Südost“ dabei auch an die alte Biergartentradition am Standort an. Was aus den ambitionierten Planungen für den Rest des Areals wird, steht derweil in den Sternen. Start-Ups, Geschäfte und eine Privat-Uni wollen die Investoren ansiedeln. Dabei könnte auch ein kleines Brauereimuseum entstehen, das die Geschichte des Standorts erzählt.

Die Bärenquell-Brauerei ist Teil unserer Publikation „Berliner Schriften zur Industriekultur“ Band 2.


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Innenhof der Backfabrik
Alt- und Neubauten der Backfabrik
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Erbaut
1911 - 1927, 1972

Bauherr
Aschinger AG

Architekt
Bielenberg, Moser u.a.

Früher
Backwarenfabrik u. a.

Heute
Kreativwirtschaft u. a.

Einer der Innenhöfe der Backfabrik. | © Foto: Fanny Röger
Adresse

Saarbrücker Straße 36-38
10405 Berlin-Prenzlauer Berg

Best of

Bier und Brot

Backfabrik

Die Backfabrik in der Saarbrücker Straße in Berlin Prenzlauer Berg hat in ihrer gut 100-jährigen Geschichte eine ordentliche Transformation durchgemacht. 1911 gründeten die Gebrüder Aschinger die Backwarenfabrik. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerten sie nicht nur das Gebäude, sondern auch die Vielfalt der dort produzierten Lebensmittel. Neben Brot stellte die Aschinger AG beispielsweise Sahneeis, Konserven, Wurst und Sprudelwasser her. Später produzierte die Fabrik in der DDR Brot und Brötchen für ganz Ostberlin.

Die wahrscheinlich merkwürdigste Erweiterung erfuhr das Gelände 1972. Im Zuge eines Anbaus ließ der damalige DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker einen Atomschutzbunker unter dem Gebäude errichten. Inzwischen ist die Backfabrik ein Kreativquartier für die unterschiedlichsten Ideen und Konzepte.

 
Zentralvieh- und Schlachthof, Luftbild von 1907
Zentralvieh- und Schlachthof, Börsensaal von Innen mit Kronleuchtern
Zentralvieh- und Schlachthof, Schweinehalle von Innen
Zentralvieh- und Schlachthof, Stahskellet im Park
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Erbaut
1878 - 1881, 1899, 1930

Bauherr
Stadt Berlin

Architekt
Hermann Blankenstein, August Lindemann

Früher
Städtischer Schlachthof

Heute
Wohn- und Gewerbeflächen

Der Zentralvieh- und Schlachthof in Prenzlauer Berg um 1907. | © Foto: Max Missmann, gemeinfrei

Zentralvieh- und Schlachthof

Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es in Berlin zahlreiche private Schlachthäuser. Um das unhygienische Schlachten in Wohnungen und Hinterhöfen zu beenden, eröffnet die Stadt 1881 den Zentralvieh- und Schlachthof in Prenzlauer Berg. Eine neue Schlachthofverordnung regelt fortan Hygienestandards und Kontrollen. Mit der Stadt wächst auch der Schlachthof. In Spitzenzeiten kommen bis zu 15.000 Schlachttiere pro Tag an, die hier weiterverkauft und verarbeitet werden. Die Lage an der Ringbahn ist ideal für den Transport von Tieren und Fleisch. Der Bahnhof heißt damals entsprechend Central-Viehhof.

Das Gelände ist nach dem Zweiten Weltkrieg stark zerstört und nur noch von geringer Bedeutung. Lediglich die nähere Umgebung versorgt sich noch mit Fleisch von diesem Schlachthof. Seit 1977 heißt die S-Bahn-Station Storkower Straße, der Schlachtbetrieb wird 1991 eingestellt.

Ab Anfang der 1990er-Jahre beginnt ein Transformationsprozess, der bis heute anhält. Einige der Gebäude wie beispielsweise die Rinderauktionshalle sind mittlerweile denkmalgeschützt. Von anderen wie der Hammelauktionshalle steht nur noch das Stahlskelett. In die historischen Gebäude zieht seit einigen Jahren Leben ein. Rund herum entstehen inzwischen Parks und Neubauten.


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Drei Fahrradfahrer:innen auf der Straße vor der Förderbrücke.
Große Förderbrücke auf dem Gelände des Bergwerks.
1991 eröffnet, blieb die F60 nur 13 Monate in Betrieb bis sie aus energiepolitischen Gründen stillgelegt wurde. | © Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V., Foto: Nada Quenzel

Besucherbergwerk F60

In Lichterfeld im Süden Brandenburgs schlummert ein stählerner Gigant: 80 Meter hoch, 11.000 Tonnen schwer und einen halben Kilometer lang. Die ehemalige Abraumförderbrücke F60 ist ein spektakuläres Relikt des Braunkohletagebaus in der Lausitz. Solche Förderbrücken dienen im Braunkohletagebau dem Transport der Abraummassen. Darunter liegt dann das begehrte Kohleflöz. Die Abtragsmächtigkeit der beiden Bagger, die hier parallel im Hoch- und Tiefschnitt im Einsatz waren, beträgt insgesamt 60 Meter – daher der Name F60.

Wegen der eindrucksvollen Stahlkonstruktion trägt die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt auch den Beinamen „liegender Eiffelturm der Lausitz“. 1991 eröffnet, bleibt die F60 nur 13 Monate in Betrieb, bis sie aus energiepolitischen Gründen stillgelegt wird. Heute gibt sie spannende Einblicke in die Bergbaugeschichte und Ausblicke auf die neu entstehende Seenlandschaft der Lausitz. Im Info-Center, untergebracht im ehemaligen Werkstattwagen, informieren Ausstellungen und Filme über die Funktionsweise von Abraumförderbrücken.

 
Antennenkuppel auf dem Heinrich-Hertz-Institut
Hauptgebäude Heinrich-Hertz-Institut
Die Antennenkuppel auf dem Hauptgebäude des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts. | © Fraunhofer HHI

Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung

Aus dem 1928 von mehreren Institutionen, unter anderem der Deutschen Reichspost sowie der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, gegründeten Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung stammen bedeutende Erfindungen für die Telefonübertragungstechnik und den sich damals stürmisch entwickelnden Rundfunk. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft verloren eine Reihe von Mitarbeitenden aus politischen und rassistischen Gründen ihre Stellung. Auch der Name von Heinrich Hertz verschwand aus der Institutsbezeichnung.

Unter Leitung von Gustav Leithäuser erfolgte noch 1945 jedoch die Neugründung unter dem alten Namen Heinrich-Hertz-Institut. Nach der vollständigen Zerstörung des alten Institutsgebäudes in der Charlottenburger Franklinstraße und provisorischer Bleibe in der Jebensstraße erhielt das Institut mit dem 1964/68 errichteten Neubau am Einsteinufer einen neuen Sitz. Ein Merkmal des 14-geschossigen Stahlbetonskelettbaus ist die Radom-Kuppel (Antennenkuppel) auf dem Dach. Seit 2003 gehört das Institut zur Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V..

 
Straßenansicht vom Haupttelegrafenamt
Postbote auf BMW-Motorrad vor Haupttelegrafenamt, Schild "Rohrpost" neben Eingang
Das 1910 bis 1916 erbaute Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. | © Foto: Norbert Gilson
Adresse

Oranienburger Straße 73–76
10117 Berlin-Mitte

Best of

Forschung und InnovationKommunikation und Medien

Haupttelegrafenamt

Das von der Berliner Oberpostdirektion von 1910 bis 1916 errichtete Haupttelegrafenamt galt als eines der leistungsfähigsten europäischen Fernmeldeämter. Von hier aus erfolgte auch die Steuerung der militärischen Funkstelle in Königs Wusterhausen und seit 1920 der Großfunkstelle in Nauen. Seit 1919 befand sich in dem Gebäude auch die Stadtrohrpostzentrale, die hausintern noch bis 1977 in Betrieb blieb. Auch das funktechnische Entwicklungszentrum der Deutschen Reichspost hatte hier bis zum Ende der 1920er-Jahre seinen Sitz.

Der viergeschossige, vierflügelige Mauerwerksbau im neobarocken Stil umschließt zwei große Lichthöfe. Bis zu ihrer Zerstörung 1944 überspannten große Glasdächer die Lichthöfe im Haupttelegrafenamt. Der zweigeschossige Sockel aus Trachyttuff hebt sich in relativer Schlichtheit vom Gesamtbau ab. Seit 2001 ist der Gebäudekomplex des Haupttelegrafenamts im Eigentum eines Investors, der neben Büros, Läden und Gastronomie auch die Nutzung als Hotel vorsieht.

 
Blaue Erregermaschine im Energie-Museum
Maschinenhaus aus Backstein des Umspannwerks Steglitz
Mädchen im Energie-Museum mit Kabeln
Energie-Museum von Außen mit Litfaß-Säule
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Erbaut
1909 - 1911, Umbauten

Bauherr
Gemeinde Steglitz

Architekt
Hans Heinrich Müller u.a.

Früher
Batteriespeicheranlage am Kraftwerk Steglitz

Heute
Museum

Das Energie-Museum zeigt Objekte der Erzeugung, Versorgung und Nutzung von Energie, wie diese Erregermaschine der AEG. | © Energie-Museum Berlin
Adresse

Teltowkanalstraße 9
12447 Berlin-Steglitz

Anfahrt

Bus: 186, 283 (Haltestelle Teltowkanalstr.), 380 (Haltestelle Mozartstr.)

Öffnungszeiten

Im Rahmen von Führungen und an Aktionstagen zugänglich

Eintritt

Eintritt frei, Spenden willkommen

Führungen

Expressführung i.d.R. letzter Sa. im Monat, 11:00 bis 12:00 Uhr
Individuelle Führungen nach Vereinbarung


Barrierefreiheit

Eingeschränkt

Industriekultur erleben

Fahrradroute: Kanal und Industrie

Best of

Forschung und InnovationStrom und Energie

Energie-Museum Berlin

Jenseits der Steckdose

Wie wird eigentlich Strom gemacht und wer verteilt den Strom im Netz? Welche elektrischen Geräte gab es vor 100 Jahren? Und was ist eine Strominsel? Die Antworten auf diese sowie weitere Fragen finden Sie im Energie-Museum Berlin. Auf vier Etagen zeigt das Museum über 5.000 Exponate aus der Geschichte der „Elektropolis Berlin“. Darunter findet sich allerlei Überraschendes:

  • Das seltenste Exponat ist eine 20.000-Watt-Glühlampe. In den 1950er-Jahren beleuchtet diese den gesamten Vorplatz des Berliner Bahnhofs Zoo.
  • Das größte Objekt ist eine Litfaßsäule. Mit einer Höhe von fünf Metern bietet sie nicht nur ausreichend Platz für Plakate, sondern auch für eine ganze Umspannstation in ihrem Inneren.
  • Ein spezielles Objekt im Museum ist eine schwarze Taste aus dem Jahr 1994. Der Regierende Bürgermeister Eberhardt Diepgen schließt mit diesem Objekt West-Berlin an das westeuropäische Verbundnetz an. Nach 40 Jahren ist West-Berlin seitdem keine Strominsel mehr.

Das Energie-Museum Berlin selbst ist ein Beispiel für die Geschichte der Energieversorgung der Stadt. Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt die Gemeinde Steglitz mit dem Bau von kommunalen Versorgungseinrichtungen wie beispielsweise dem Hafen Steglitz am Teltowkanal und einem eigenen Kraftwerk. Dieses liefert ab 1911 Strom, unter anderem für den Betrieb einer Straßenbahn und einer Eisfabrik. Nachdem Steglitz 1920 zu Groß-Berlin eingemeindet wird, übernehmen die Berliner Städtischen Elektrizitätswerke Aktien-Gesellschaft (BEWAG) das Kraftwerk. Die Teilung der Stadt nach 1945 führt anschließend zum Aufbau einer unabhängigen Stromversorgung in West-Berlin. Auch deshalb entsteht am Standort Steglitz 1987 die damals größte Batteriespeicheranlage der Welt.

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Mitten im Kalten Krieg fürchtet die an kein Verbundnetz angeschlossene Strominsel West-Berlin eine erneute sowjetische Blockade – wie die Berlin-Blockade 1948/49, die sich tief ins Gedächtnis der Bevölkerung gegraben hat. Erst im Jahr 1986 – drei Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer – installieren BEWAG-Ingenieure in dem dreigeschossigen Beton-Ziegelstein-Bau 1.416 Batterieblöcke. Jeder einzelne Block wiegt fast eine Tonne. Bei einem plötzlichen Leistungsabfall stabilisieren 14,4 MWh aus der Anlage das West-Berliner Inselnetz, bis schnellstartende Gasturbinen die Versorgung übernehmen. Diese neuartige Speicheranlage weckt weltweite Aufmerksamkeit.

Auf die politische Wiedervereinigung 1990 folgt wenige Jahre später die elektrische Vereinigung der west- und ostdeutschen Stromnetze. Das Kraftwerk Steglitz wird 1994 stillgelegt. 2001 öffnet im Gebäude der ehemaligen Batteriespeicheranlage das Energie-Museum Berlin seine Pforten. Einer der Batterieblöcke ist bis heute erhalten. Viele der ausgestellten Exponate sind weiterhin funktionstüchtig. Anfassen und Ausprobieren sind ausdrücklich erwünscht! Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Stattdessen führen Ehrenamtliche regelmäßig durch die Ausstellung. Ungewiss ist allerdings, wie lange noch: Der denkmalgeschützte frühere Energiespeicher soll für einen neuen Netzknotenpunkt abgerissen werden.

Die Meilenstein der Berliner Industriegeschichte widmen sich auch der »Elektropolis Berlin« und der »Insel West-Berlin«.

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