Adresse
Alte Mälzerei Lichtenrade
Steinstraße 41
12307 Berlin-Lichtenrade
Anfahrt
S2 bis S-Bhf. Lichtenrade
oder
Bus 172/275/M76 bis S-Lichtenrade
Alte Mälzerei Lichtenrade
Ende des 19. Jahrhunderts ist das Bierbrauen in Berlin eine lukrative Angelegenheit. Die Industrie boomt, die Bevölkerungszahl steigt rasant und damit auch der Durst nach Bier. Auch die Geschäfte der Schlossbrauerei AG Schöneberg laufen gut. Um die Produktion zu erweitern, errichtet sie zwischen 1897 und 1898 eine eigene separate Mälzerei in Lichtenrade. Die damals hochmoderne Anlage nimmt am 1. Mai 1899 ihren Betrieb auf.
In der Mälzerei wird durch Weichen, Keimen und Darren aus Gerste das Malz hergestellt, welches für den eigentlichen Brauprozess gebraucht wird. Der Standort ist gut gewählt: die Grundstückspreise sind niedrig und mit der benachbarten Bahnlinie Berlin – Dresden gibt es eine schnelle Verbindung zur Brauerei in Schöneberg. Nicht zuletzt dank der neuen Mälzerei erreicht die Schlossbrauerei 1900 einen Jahresausstoß von 186.000 Hektolitern Bier und avanciert damit spätestens jetzt zu einer der Großbrauereien Berlins.
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Wegen der Rohstoffknappheit des Ersten Weltkriegs wird die Mälzerei 1918 kurzzeitig stillgelegt und 1921 schließlich an den jüdischen Unternehmer Jakob Feitel verkauft. Unter ihm wird die Malzproduktion fortgeführt und die vorhandenen Anlagen noch Mitte der 1920er Jahre modernisiert, bevor die Malzproduktion eingestellt wird. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gerät die Jakob Feitel OHG massiv unter Druck und verliert das Mälzerei-Areal.
Spätestens seit Anfang der 1930er-Jahre dient die Mälzerei als Lagergebäude. Während des Zweiten Weltkriegs nutzt die Wehrmacht das Areal als Proviantlager und nach 1949 befindet sich hier ein Teil der West-Berliner Senatsreserve.
Seit 1984 steht die Alte Mälzerei unter Denkmalschutz. Aber lange Zeit ist ihr Schicksal ungewiss. Erst 2015 beschließt die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg die Entwicklung des Geländes. Nach dem Verkauf an die UTB Berlin erfolgt die denkmalgerechte Sanierung der Mälzerei und deren Entwicklung als Herzstück eines neuen Stadtquartieres.
Seit der Wiedereröffnung 2021 befindet sich in der Alten Mälzerei die Edith-Stein-Bibliothek, eine Musikschule, eine Volkshochschule und sogar ein Kindermuseum. Auch die Umgebung hat eine Frischzellenkur bekommen: Rund um das Gebäude sind über 200 neue Wohnungen entstanden, es gibt einen Supermarkt, eine Kita und eine Schwimmhalle.
Die Spuren der Geschichte sind weiterhin sichtbar: Einige der damaligen technischen Anlagen wie die Förderschnecke im Dachgeschoss sind bei der Sanierung erhalten geblieben. Die Alte Mälzerei Lichtenrade ist ein gelungenes Beispiel für die Nachnutzung industrieller Bauwerke.
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