Außenansicht eines Backsteingebäudes vor blauem Himmel. Links schließt ein Turm an.
Erkennbar sind mehrere Meter große Kupferpfannen, deren Rohre bis unter die hohe Decke reichen. In der Mitte des Bildes führt eine Treppe auf eine Empore mit Geländer.
Außenansicht eines Backsteingebäudes vor blauem Himmel. Seitlich angebaut ist ein Treppenhaus aus Beton, auf dem in großen Lettern KINDL steht. Ein Teil des Gebäudes ist mit einem Baugerüst verkleidet.
Blick in eine hohe Industrieshalle mit sehr großen Fenstern und glatten Wänden.
Der imposante Turm der ehemaligen Kindl Brauerei beeindruckt noch heute. | © Marko Funke, 2019
Adresse

KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 3
12053 Berlin-Neukölln

Kontakt

Tel.: 030/832 159 12 0
info@kindl-berlin.de
www.kindl-berlin.de

Anfahrt

U-Bahn: U8 (Haltestelle Boddinstraße), U7 (Haltestelle Rathaus Neukölln)
Bus: M43, 166 (Haltestelle Morusstraße)

Öffnungszeiten

Mi.: 12:00 bis 20:00 Uhr
Do. bis So.: 12:00 bis 18:00 Uhr

Eintritt

YOU for KINDL: 10,00 € | KINDL for YOU: 7,00 € | Ermäßigt: 4,00 €
Bis 18 Jahre kostenfrei.

Kostenloser Eintritt an jedem ersten Sonntag im Monat.

Führungen

Regelmäßige Führungen zur Geschichte des Gebäudes und zu aktuellen Ausstellungen. Individuelle Führungen auf Anfrage.
www.kindl-berlin.de/kunstvermittlung

Barrierefreiheit

Das Gelände ist rollstuhlgerecht, es gibt Behindertenparkplätze und barrierefreie Toiletten.
Bei Veranstaltungen technische Hörunterstützung.

KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Ende des 19. Jahrhunderts ist Berlin eine Stadt des Biers und der Brauereien. Dazu gehört auch die 1872 gegründete „Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG“, ab 1910 „Berliner Kindl-Brauerei AG“. Sitz des Unternehmens ist die Stadt Rixdorf. Seit 1920 gehört sie als „Neukölln“ zu Groß-Berlin, der damals zweitgrößten Metropole Europas.

Im Groß-Berlin der Weimarer Republik blüht das Geschäft, zumindest für die Kindl-Brauerei. In den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg übernimmt sie rund 20 Brauereien. Am Stammsitz in Neukölln baut Kindl die Produktion erheblich aus. Ab 1926 entsteht ein moderner, expressionistischer Gebäudekomplex nach dem Entwurf der Architekten Hans Claus und Richard Schepke. Der Stahlskelettbau mit seinem Turm und der Verkleidung aus dunkelrotem Klinker beeindruckt damals wie heute.

Im Fokus steht die Funktionalität: Alle Gebäudeteile unterstützen optimal die einzelnen Arbeitsschritte der Bierherstellung. Im markanten Turm befinden sich ein stählerner Wasserbehälter, Silos für Malz und Schrotmühlen. Mit Hilfe der Schwerkraft durchläuft das Malz die einzelnen Produktionsschritte. Das Herzstück des Sudhauses sind sechs große Kupferpfannen. In ihnen entsteht die Würze, der Grundstock für das Bier. Die dafür benötigte Energie und Prozesswärme liefert das angegliederte Kesselhaus.

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Während der NS-Diktatur bemüht sich Berliner Kindl früh um die Auszeichnung eines „Nationalsozialistischen Musterbetriebs“, die sie ab 1937 führt. Im Zweiten Weltkrieg müssen Zwangsarbeiter:innen aus Frankreich und Polen sowie sowjetische Kriegsgefangene für Kindl arbeiten. Alliierte Bombenangriffe beschädigen die Brauerei 1944 schwer. Nach Kriegsende demontiert die Sowjetische Militäradministration nahezu die gesamten technischen Anlagen und bringt diese als Reparationsleistung nach Russland.  

Erst 1947 fließt das erste Nachkriegsbier. Der umfangreiche Wiederaufbau und die Neuausstattung des Sudhauses erfolgen schließlich Anfang der 1950er-Jahre. Verantwortlich hierfür ist der Architekt Gerhard Fritsche. Er ist vor allem für seine Kinobauten bekannt, darunter der Berliner Zoo-Palast. Auch dem Sudhaus verleiht er ein ganz besonderes Ambiente. 2006 stellt die Kindl-Brauerei AG die Produktion in Neukölln endgültig ein und verlagert sie nach Berlin-Weißensee.

2011 erwerben Salome Grisard und Burkhard Varnholt das leerstehende Brauereigebäude. Nach behutsamer Sanierung ist das ehemalige Sudhaus heute ein Kulturtreffpunkt. Seit 2016 beherbergt es das unabhängig kuratierte „KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst“. In Ausstellungen und Veranstaltungen findet internationale Gegenwartskunst statt. Im rund 20 Meter hohen Kesselhaus entstehen jährlich eigens für diesen Raum entwickelte Installationen bedeutender Künstler:innen. Im früheren Sudhaus mit seinen Sudpfannen befindet sich heute das Café Babette.

Die Vergangenheit des Gebäudes als Brauerei ist weiterhin lebendig: Seit 2009 stellt die Privatbrauerei „Am Rollberg“ hier Craft-Bier her, das im Café und im hauseigenen Biergarten ausgeschenkt wird. In der warmen Jahreszeit sitzen Gäste wie vor über 100 Jahren draußen und genießen im Biergarten ein kaltes Getränk – und die Sicht auf die imposante Industriearchitektur.

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