Route 6

»Natur und Infrastruktur«

Tagesausflug: 23 km, 19 Sehenswürdigkeiten
Von S-Bhf. Westkreuz bis S-Bhf. Wannsee
Strecke: Uferwege, Nebenstraßen und Radwege

Die Fahrradroute »Natur und Infrastruktur« startet am S-Bahnhof Westkreuz. Sie führt am Messegelände vorbei in den Grunewald und entlang der Havel bis nach Wannsee.

Mit der Industrialisierung wächst Berlin rasant – und damit der Bedarf an Wohnraum, Wasser und Freizeitangeboten. Auf gerodeten Flächen des Grunewalds entstehen neue Wohngebiete und großflächige Infrastrukturen. Highlights dieser Radroute sind neben dem Messegelände samt Funkturm auch das Haus des Rundfunks und das Strandbad Wannsee.

Die Ausbauten am Rande der Stadt spiegeln auch das Zukunftsdenken der 1920er-Jahren wider. Alle sind sich damals sicher: Berlin wird weiterhin wachsen. Besonders förderlich ist, dass die Stadt auf einem riesigen Schatz liegt: einer gigantischen unterirdischen Wasserschicht. Das älteste erhaltene Wasserwerk Berlins ist Teil dieser Route.

Auch der Grunewald und die Havel selbst gehören zur Industriegeschichte Berlins. Während der Luftbrücke 1948/49 ist die Havel die längste Landebahn Berlins. Im Teufelsberg, der aus Trümmern des zerstörten Berlins aufgeschüttet ist, liegt ein Bauwerk der Nazis begraben. Und während des Kalten Kriegs errichten US-Amerikaner auf dem Gipfel des Teufelsberg eine Abhörstation.

  • S-Bahnhof Wannsee

    Verkehrstempel für Sonnenhungrige 

    Das Empfangsgebäude des S-Bahmhofs Wannsee.
    Das Empfangsgebäude des S-Bahnhofs Wannsee stammt aus den späten 1920er-Jahren. | © A. Savin, via Wikimedia Commons

    Oktogon, Kuppel und spitze Arkaden! Die Schalterhalle macht den 1928 eröffneten S-Bahnhof Wannsee zu einem Verkehrstempel. Der Bahnhofsvorplatz ist zugleich öffentlicher Treffpunkt, Verkehrsknoten und Geschäftszentrum. Eine Unterführung verbindet ihn mit der Fähranlegestelle. So ist der Bahnhof auch
    an heißen Sommertagen dem massenhaften Ausflugsverkehr zum Wannsee bestens gewachsen.

    Adresse

    Kronprinzessinnenweg 250/251
    14109 Berlin-Zehlendorf

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Wasserwerk Beelitzhof

    Wasseraufbereitung heute 

    Das Backsteingebäude des Wasserwerks Beelitzhof von außen.
    Außenansicht des Wasserwerks Beelitzhof.
    Außenansicht eines Backsteingebäudes des Wasserwerks Beelitzhof, erbaut 1888.
    Das Wasserwerk Beelitzhof versorgt Berlin seit 1888 mit frischem Wasser. © bzi/Foto: Max Braun

    Seit 1888 versorgt das Wasserwerk Beelitzhof die Stadt Charlottenburg mit Trinkwasser. Bis das Wasser in den Haushalten ankommt, durchläuft es einen langen Weg.

    Es fließt von den Grundwasserbrunnen über riesige Rohre in die Belüftungsanlage des Wasserwerks, wo es mit Sauerstoff angereichert und dann ins Reaktionsbecken geleitet wird. Hier lösen sich Eisen- und Manganverbindungen. Die Sandfilteranlage entfernt die sich absetzenden Flocken. Das gereinigte Trinkwasser wird schließlich im Reinwasserbehälter gespeichert und von dort über ein komplexes Rohrsystem in die Haushalte gepumpt.

    Ab 1981 verbessert eine zusätzliche Aufbereitungsanlage für Havelwasser die Qualität der Grunewaldseen. Das Wasserwerk Beelitzhof ist nur eins von vielen: Die Berliner Wasserbetriebe betreiben derzeit neun Wasserwerke und sechs Klärwerke im Verbund.

    Adresse

    Kronprinzessinnenweg 150
    14129 Berlin-Zehlendorf

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Strandbad Wannsee

    Ostseestrand am Stadtrand 

    Blick auf das Eingangsgebäude des Strandbads Wannsee.
    Luftansicht des Strandbads Wannsee aus den 1960er-Jahren.
    Das Eingangsgebäude wurde 1928 im konservativen Heimatschutzstil gebaut. | © H.Helmlechner, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

    Während der Weimarer Republik kommt ein neues Gesundheitsideal auf. Die arbeitende Bevölkerung soll in ihrer Freizeit Licht, Luft und Sonne tanken und durch sportliche Aktivitäten fit bleiben. Berlin baut Volksparks, Sportstadien und Freibäder – wie das Strandbad Wannsee.

    Wenn man vor dem 1928 im konservativen Heimatschutzstil errichteten Eingangsgebäude steht, ist die Modernität des Freibades nicht zu erahnen. Das von Martin Wagner und Richard Ermisch geplante Weltstadtprojekt ist im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten. Vier Hallen bieten Raum für Garderoben, Duschräume und Geschäfte. Diese in den Uferhang hineingebauten Hallen sind mit einem langen Säulengang verbunden. Die Dächer bieten Platz für Terrassen und Sportflächen.

    Bis 1930 wird nur dieser Teil der Anlage realisiert. Ursprünglich waren fünf weitere Hallen, ein großer
    Rundbau mit Restaurant, eine See-Brücke, ein Hafen und ein Freilichttheater geplant. Doch dafür fehlt aufgrund der Weltwirtschaftskrise das Geld. 1933 verhindert das NS-Regime den Weiterbau aufgrund des undeutschen Baustils. Dennoch ist das Strandbad Wannsee bei seiner Eröffnung das größte und modernste Binnenfreibad Europas. Der über einen Kilometer lange und 80 Meter breite Strand lädt bis heute zum Baden ein.

    Adresse

    Wannseebadweg 25
    14129 Berlin-Zehlendorf

    Anfahrt

    S-Bahnhof Nikolassee (S1, S7)

    Barrierefreiheit

    Barrierefreie Duschen
    Barrierefreie Toiletten
    Behindertenparkplätze

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Insel Schwanenwerder

    Großbürgerliche Idyllen 

    Gedenktafeln auf der Inselstraße Schwanenwerder.
    Blick vom gegenüberliegenden Ufer auf Boote, die vor der Insel Schwanenwerder ankern.
    Gedenktafeln auf Schwanenwerder machen auf die Vergangenheit der Insel aufmerksam. | © Fridolin Freudenfett (Peter Kuley), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Im Jahr 1882 erwirbt ein Petroleumlampenfabrikant die Insel Schwanenwerder. Er lässt die Inselfläche aufschütten und für den Bau von Landhäusern als bürgerliches Arkadien parzellieren. Dank der Gewinne in Industrie und im Finanzwesen kann das neue Großbürgertum einen Lebensstil nachahmen, der
    zuvor dem Adel vorbehalten war.

    Wegen fehlender Infrastruktur und Verkehrsanbindung geht der Verkauf nur schleppend voran. Erst mit Eröffnung des Bahnhofs Nikolassee im Jahr 1902 verbessert sich die Lage. Hinzu kommt der Bau moderner Anlagen für Wasser- und Stromversorgung. Jetzt entwickelt sich die Insel zu einem diskreten Refugium für wohlhabende Industrielle und Bankiers, die hier exklusive Landsitze errichten.

    Nach 1933 vereinnahmen hochrangige Nazis die Insel. Jüdische Eigentümer müssen ihre Grundstücke verfolgungsbedingt verkaufen. Nutznießer sind u.a. Joseph Goebbels, Albert Speer und Hitlers Leibarzt Theodor Morell. Einer der Landsitze wird zur Reichsbräuteschule umgebaut. Hier werden die Verlobten von SS- und NSDAP-Funktionären ideologisch auf ihre ehelichen Pflichten vorbereitet.

    Nach Kriegsende bereitetet die amerikanische Militärelite in einer der Villen die Potsdamer Konferenz vor. Später plant Lucius D. Clay von hier aus die Hilfsflüge der Berliner Luftbrücke. Im Rahmen der Restitution werden die Anwesen an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. Die meisten von ihnen
    verkaufen an das Land Berlin. Einige dieser Liegenschaften werden zu Jugenderholungsstätten. Seit den 1960er-Jahren erwerben auch Privatleute wieder Grundstücke auf Schwanenwerder. Prominentester Neuankömmling ist 1961 der Verleger Axel Springer.

    Von den historischen Landhäusern sind nur noch sechs erhalten. Eines davon ist der „Schwanenhof“ in der Inselstraße 37.

    Adresse

    Inselstraße
    14129 Berlin-Nikolassee

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Insel Lindwerder

    Fährbetrieb auf dem Wannsee 

    Das Foto zeigt die Fähre, die Kurs auf die Insel Lindwerder nimmt.
    Die Insel Lindwerder vom gegenseitigen Ufer aus gesehen.
    Ein Radfahrer, der in der Nähe des Stegs zur Fähre zur Insel Lindwerder auf einer Bank sitzt.
    Die Insel lässt sich seit jeher nur per Fähre erreichen. | © bzi, Foto: Max Braun

    Seit 1905 ist die Insel Lindwerder mit einer Fähre und bald darauf per Ausflugsdampfer zu erreichen. Sie entwickelt sich zu einem beliebten Ausflugsziel.

    Nach 1945 wird an der Ostseite Trümmerschutt abgekippt, um die Insel zu vergrößern. Für den Betrieb der heutigen Gaststätte verkehren eine Personen- und eine Lastfähre. Gäste des Restaurants können die Privatfähre per Glocke rufen.

    Adresse

    Havelchaussee 43
    14193 Berlin-Steglitz-Zehlendorf

    Anfahrt

    Für den Betrieb der heutigen Gaststätte auf der Insel verkehren eine Personen- und eine Lastfähre.
    Gäste des Restaurants können die Privatfähre per Glocke rufen.

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Die Havel

    Geschichtsträchtige Wasserstraße 

    Aussicht vom Ufer auf die Havel, auf der ein Schiff fährt
    Blick von oben auf dem Grunewaldturm auf die Havel
    Schwarz-weiß-Foto eines Wasserflugzeugs der Berliner Luftbrücke auf der Havel.
    Bis heute hat die Havel als Bundeswasserstraße eine wichtige Bedeutung für den Personen- und Güterverkehr. | © bzi, Foto: Max Braun

    Seit jeher wird Berlin über das Wasser versorgt. Schon im 17. Jahrhundert werden Flüsse wie die Havel als Wasserstraßen genutzt und mit Kanälen verbunden. So entsteht ein Verkehrsnetz von überregionaler
    Bedeutung für den Transport von Gütern und Rohstoffen.

    Während der Berliner Luftbrücke 1948/1949 ist die Havel nicht nur Wasserstraße, sondern auch die längste Landebahn Berlins. Um die Flughäfen zu entlasten, landen hier Wasserflugzeuge der Alliierten. Sie werden wegen ihrer Korrosionsfestigkeit bevorzugt mit Salz beladen. Bis heute sind Bundeswasserstraßen wie die Havel ein wesentlicher Teil des Verkehrssystems. Neben dem Gütertransport dienen sie vorwiegend der Sport- und Freizeitschifffahrt.

  • Grundwasserbrunnen des Wasserwerk Beelitzhof

    Brunnengalerie 

    Ein Grundwasserbrunnen am Havelufer
    Wandgemälde am Wasserwerk, das zwei Arbeiter zeigt, von denen einer in einen Grundwasserbrunnen hinabsteigt.
    Einer der 80 Grundwasserbrunnen entlang des Havelufers, die Berlin mit Trinkwasser versorgen. | © bzi, Foto: Max Braun

    Das Berliner Trinkwasser kommt fast ausschließlich aus Wasserschutzgebieten innerhalb der Stadtgrenzen. Diese Schutzgebiete machen etwa ein Viertel der Stadtfläche aus. Das Trinkwasser wird zu 30% aus Grundwasser und zu 70% aus Uferfiltrat gewonnen. Bei der Uferfiltration wird Wasser, das über Monate von der Havel bzw. Spree durch viele Sandschichten hindurch ins Grundwasser gesickert ist, von Grundwasserbrunnen hochgepumpt und über riesige Rohre ins Wasserwerk geleitet.

    Entlang des Havelufers erstrecken sich von hier bis zum Strandbad Wannsee über 80 Brunnen des Wasserwerks Beelitzhof. Sie erreichen eine Tiefe von 50 bis 170 Metern. Die Grundwasserbrunnen werden regelmäßig gewartet. Mit Sandablagerungen verstopfte Filter werden mittels gezielter Sprengung gereinigt.

    Adresse

    Entlang des Havelufers

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Restaurant-Schiff Alte Liebe

    Vom Lastkahn zum Kaffeekahn 

    Frontaler Blick auf das Restaurant-Schiff Alte Liebe, das am Havelufer ankert.
    Blick vom Havelufer auf das Restaurant-Schiff Alte Liebe
    Das Restaurant-Schiff wurde 1911 gebaut und ersetzt 1970 das vorige, in die Jahre gekommene Schiff. | © bzi, Foto: Max Braun

    Ausgediente Kähne verwandeln sich seit 1900 zu schwimmenden Gaststätten. An dieser Stelle der Havel befindet sich seit 1950 ein Restaurant-Schiff.

    Der in die Jahre gekommene Kahn wird 1970 durch eine HADAGFähre (1911) aus Hamburg ersetzt.

    Adresse

    Havelchaussee 107
    14055 Berlin-Grunewald

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Berliner Erdgasspeicher

    Energie-Reserve 

    Das Foto zeigt, wie Rohre aus dem Erdboden kommen, die zum unterirdischen Erdgasspeicher führen.
    Außenansicht des zum Erdgasspeicher gehörenden Gebäudes mit Rohren, die davor aus der Erde kommen.
    Der Erdgasspeicher liegt in 850 Metern Tiefe. Überirdisch lassen sich nur die Rohre besichtigen, die zum Speicher führen. | © bzi, Foto: Max Braun

    Der Alliierte Kontrollrat fordert in den 1980er-Jahren, dass ein Erdgasspeicher gebaut wird, damit West-Berlin unabhängiger von sowjetischen Lieferungen wird.

    Der Erdgasspeicher geht 1992 in Betrieb – und damit erst nach der politischen Wende. Er wird nicht mehr gebraucht, da es jetzt auch Zugang zu anderen Gasquellen gibt. Immerhin können mittels der Speicherung Preisschwankungen umgangen werden. Steigt der Gaspreis im Winter an, kann das im Sommer preiswert eingekaufte Gas genutzt werden.

    Der Erdgasspeicher liegt unter dem Wannsee und dem Grunewald auf einer Fläche von drei mal vier Kilometern in 850 Metern Tiefe. Dort befindet sich, eingeschlossen zwischen Ton- und Lehmschichten, eine Schicht aus porösem, mit Wasser gefüllten Sandstein. Das Wasser wird mit hohem Druck herausgepresst und durch Gas ersetzt.

    2017 wird die Anlage stillgelegt, da sie nicht mehr rentabel ist. Seither befindet sie sich im Rückbau. Die Nutzung des Speichers für Tiefengeothermie wird geprüft.

    Adresse

    Am Postfenn 22
    14055 Berlin-Grunewald

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • US-Amerikanische Abhörstation

    Spionagezentrum des Kalten Kriegs 

    Blick auf einen der langsam verfallenden Türme der Abhörstation mit weißer Antennenkuppel.
    Historisches Luftbild der Abhörstation auf dem Teufelsberg.
    Buntes Graffiti an der ehemaligen US-amerikanischen Abhörstation.
    Der Eingang zur US-amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg.
    Die Abhörstation auf dem Teufelsberg wurde 1992 aufgegeben. | © Boris Gänsicke

    Die West-Alliierten überwachen von diesem Ort auf dem Teufelsberg aus seit den 1950er-Jahren die Kommunikation im Ostblock. 1962 wird die Abhörstation mit fünf Antennenkuppeln aus weißem Kunststoff ausgebaut. Die Kuppeln schützen vor Witterung und Gegenspionage. Im Umkreis von 500 km, bis weit in das Gebiet des Warschauer Paktes, können alle ungeschützten Funk- und Fernmeldeverbindungen erfasst, abgehört und gestört werden.

    Nach Ende des Kalten Krieges wird die Abhörstation 1992 aufgegeben. Ein Investor kauft das Gelände, doch seine Pläne scheitern. Die Anlagen fallen Vandalismus zum Opfer.

    Heute ist der Standort mit seinem Lost-Place-Feeling eine der größten Street Art Galerien der Welt mit vielen Events und Festivals.

    Adresse

    Teufelsseechaussee 10
    14193 Berlin-Grunewald

    Anfahrt

    Die S-Bahn-Station Heerstraße ist ca. 30 Gehminuten vom Gelände entfernt.

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Teufelsberg und Drachenberg

    Trümmerschutt mit Ausblick 

    Aus weiterer Entfernung aufgenommenes Bild des Teufelsbergs mit der US-amerikanischen Abhörstation.
    Schwarz-weiß-Foto, das zeigt, wie die Trümmer des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Berlins zu einem Berg aufgeschüttet werden.
    Schon von weitem ist die US-amerikanische Abhörstation auf dem Teufelsberg sichtbar. | © LeJC, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Der eine Trümmerberg, der Teufelsberg, ist nach dem benachbarten Teufelssee benannt. Auf dem anderen kann man im Herbst sehr gut Drachen steigen lassen. In beiden Bergen ist Geschichte verborgen.

    Das NS-Regime beginnt auf dem Gelände des heutigen Teufelsbergs die Wehrtechnische Fakultät als Teil der Welthauptstadt Germania zu errichten. Nach 1945 wird der Rohbau gesprengt und das Areal in eine Schuttdeponie verwandelt.

    Ab 1950 karren Lastwagen 22 Jahre lang ein Drittel der Trümmer des zerbombten Berlins an. Dann wird Erdreich aufgeschüttet und mit Bäumen bepflanzt. 1972 ist der Schutthaufen Teufelsberg die höchste Erhebung West-Berlins und entwickelt sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Zur Anfangszeit des Kalten Kriegs wird hier außerdem eine Abhörstation der West-Alliierten errichtet.

    Bis heute bieten beide Berge einen grandiosen Panoramablick auf die Berliner Skyline.

    Adresse

    Teufelsberg und Drachenberg
    Teufelsseechaussee
    14193 Berlin-Grunewald

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Sender Scholzplatz

    Ersatz für den Funkturm 

    Der hoch in den Himmel aufragende Sendemast des Senders Scholzplatz vor blauem Himmel.
    Der 230 Meter hohe Mast des Senders Scholzplatz sollte eigentlich nur vorübergehend genutzt werden. | © Arne Wiechern

    Der Standort soll nur vorübergehend sein, bis der West-Berliner Fernsehturm eröffnet. Der Sender Scholzplatz wird, anders als der Funkturm, als reiner Funktionsbau konzipiert. 1963 geht er für den Sender Freies Berlin (SFB) in Betrieb. Der 230 m hohe Mast löst den Funkturm ab, der bisher mit seiner 150 m hohen Antenne für die Ausstrahlung von Hörfunk und Fernsehen diente. Jetzt können die Programme bis weit in die DDR ausgestrahlt werden.

    Zu einer Demontage des Senders kommt es nicht, denn ein West-Berliner Fernsehturm wird nie gebaut. Der Sender Scholzplatz strahlt bis heute Radio- und Fernsehprogramme aus.

    Adresse

    Heerstraße 139
    14055 Berlin-Westend

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Theodor-Heuss-Platz

    Schmuckplatz eines neuen Wohnviertels 

    Die ewige Flamme auf dem Theodor-Heuss-Platz mit der Aufschrift Freiheit, Recht, Friede
    Der Theodor-Heuss-Platz, damals noch Reichskanzlerplatz, in einem schwarz-weißen Foto von 1907
    Seit 1955 brennt auf dem Theodor-Heuss-Platz eine Ewige Flamme für die Opfer von Flucht und Vertreibung. | © bzi, Foto: Max Braun

    Der 1906 noch als Reichskanzlerplatz eröffnete Theodor-Heuss-Platz ist das Eingangstor der Siedlung Westend. Wie in dem gleichnamigen Londoner Stadtviertel entsteht hier nobler Wohnraum. In Berlin und London bringt Westwind saubere Luft, die erst über der Stadt verunreinigt wird.

    Der Bauentwickler Quistorp plant die Siedlung, errichtet ein Wasserwerk und spekuliert auf hohe Gewinne. Die architektonische Planung übernimmt Martin Gropius. Der Platz wird 1933 umbenannt. Als Adolf-Hitler-Platz wird er Teil der Planungen für die Welthauptstadt Germania.

    Ein von Albert Speer geplantes Heldendenkmal wird nicht errichtet. Stattdessen brennt hier seit 1955 eine Ewige Flamme für die Opfer von Flucht und Vertreibung, eingeweiht von Bundespräsident Theodor Heuss. Nach seinem Tod wird der Platz in Theodor-Heuss-Platz umbenannt.

    Adresse

    Theodor-Heuss-Platz
    14052 Berlin-Westend

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Messegelände

    Treffpunkt der Welt in Berlin 

    Die Eingangshalle des Messegeländes in Berlin bei untergehender Sonne.
    Außenansicht der Messe Berlin bei blauem Himmel mit dem Funkturm im Hintergrund.
    Die von Richard Ermisch entworfene Eingangshalle zum Messegelände. | © Messe Berlin

    Die Berliner Messetradition reicht zurück ins Jahr 1822, als die preußische Regierung Märkte und Messen erstmalig zu einer übergreifenden Gewerbeausstellung zusammenfasst. Noch gibt es keinen festen Standort für das Messegelände. Gebäude werden auf- und wieder abgebaut.

    Ab 1913 ist eine zuvor als Exerzier- und Schießplatz genutzte Fläche des Grunewalds durch einen S-Bahnhof (heute S-Bahnhof Messe-Nord/ICC) erreichbar. 1924 eröffnet auf diesem Gelände das Haus der Funkindustrie für die erste Große Deutsche Funkausstellung. 1930 erarbeiten Martin Wagner und Hans Poelzig ein architektonisches Gesamtkonzept, das nur in Teilen realisiert wird.

    Unter dem NS-Regime verändert der Architekt Richard Ermisch das Konzept tiefgreifend. Davon zeugt das Eingangsgebäude samt Ehrenhalle aus dem Jahr 1936. Ab 1939 nutzt die Reichsstelle für Getreide die Hallen als Lager.

    1946 beginnt der Wiederaufbau des kriegszerstörten Geländes. Ein Jahr später findet die erste Ausstellung mit dem Titel „Werte unter Trümmern“ statt. Das Messegelände wird bis heute stetig erweitert.

    Adresse

    Messe Berlin
    Messedamm 22
    14055 Berlin-Westend

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Internationales Congress Centrum (ICC)

    Einzigartige Kongressmaschine 

    Ansicht des Internationalen Congress Centrums von der Straße aus
    Der Innenraum des ICC mit roten Leuchtröhren als Wegeleitsystem.
    Luftbild, auf dem man das ICC, den Funkturm und das Messegelände sieht.
    Das an ein Raumschiff erinnernde ICC von der Straße aus gesehen. | © Wladyslaw Sojka, www.sojka.photo, Free Art License via Wikimedia Commons

    Ein hochtechnisiertes Kongresszentrum der Superlative ist das 1979 eröffnete Internationale Congress Centrum (ICC). Internationale Großveranstaltungen sollen die Wirtschaft des isolierten West-Berlins ankurbeln. Dem Zeitgeist der autogerechten Stadt folgend, ist das Gebäude in die Verkehrsströme Berlins eingebunden. Die Aluminium-Fassade erinnert an ein Raumschiff – inspiriert von der nur sechs Jahre zurückliegenden ersten Mondlandung. Mit dem historischen Messegelände ist das ICC über eine dreigeschossige Brücke verbunden.

    Über 30 Jahre lang bleibt das vom Architektenehepaar Schüler-Witte geplante ICC das wichtigste Tagungszentrum Deutschlands. Das Kongresszentrum schließt 2014. Favorisiertes Ziel für die künftige Nutzung ist die Entwicklung eines Zentrums für Kunst und Kultur sowie Kreativ- und Innovationswirtschaft.

    Adresse

    Messedamm 22
    14055 Berlin-Westend

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • S-Bahnhof Westkreuz

    Der Messebahnhof 

    Blick auf den S-Bahnhof Westkreuz
    Historischer Blick auf den Bahnsteig des S-Bahnhofs Westkreuz in 1929
    Blick von oben auf den Bahnsteig des S-Bahnhofs Westkreuz | © Axel von Blomberg

    Der Kreuzungsbahnhof zwischen Stadt- und Ringbahn ist das Zugangstor zum geplanten Messegelände. Der Bahnhof eröffnet 1928 unter dem Namen Ausstellung und wird bereits 1932 in Westkreuz umbenannt, als Pendant zum Ostkreuz.

    Adresse

    S-Bahnhof Westkreuz
    14057 Berlin-Charlottenburg

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    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

  • Funkturm

    Pionierort der Radiogeschichte 

    Funkturm Berlin auf Wiese
    Funkturm Aussicht Berlin
    Messe mit Funkturm 1932
    Der Funkturm ist heute ein Wahrzeichen Berlins. | © Foto: Andreas FranzXaver Süß, 2016

    Der Rundfunk boomt. Der hölzerne Sendemast soll in den 1920er-Jahren durch einen Stahlturm ersetzt werden. Weil der Verband der Radioindustrie seit 1924 auf dem Messegelände seine neuesten Geräte zeigt und 1926 eine Sonderschau samt Sendebetrieb plant, wird der Turm hier errichtet. Der Funkturm ist bei seiner Fertigstellung 1926 das Highlight der damals stattfindenden 3. Deutschen Funkausstellung. Mit seiner Höhe von 147 Metern ist er ein weithin sichtbares Wahrzeichen Berlins und dient sogar Flugzeugen als Orientierungshilfe.

    Die Konstruktion des Funkturms samt Restaurant und Aussichtsplattform ist vom Eiffelturm inspiriert. Die eigentliche Funktion des Turms, das Funken, übernimmt die Antenne an der Spitze. Die zwei Plattformen mit Restaurant und Aussichtspunkt führen zu einer etwas längeren Bauzeit. Der Funkturm entwickelt sich dadurch jedoch zu einem beliebten Ausflugsziel.

    Ab Mitte der 1930er Jahre verliert der Turm als Funkstandort kontinuierlich an Bedeutung, während er als Wahrzeichen auch heute noch beliebt ist. 1963 löst der Sender Scholzplatz den Funkturm ab. Heute dient er nur noch dem regionalen Polizei- und Mobilfunk als Sendemast.


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    Adresse

    Hammarskjöldplatz
    14055 Berlin-Charlottenburg

    Industriekultur erleben

    Fahrradroute: Natur und Infrastruktur

    Best of

    Kommunikation und Medien

  • Naturschutzzentrum Ökowerk

    Ein Wasserwerk im Grunewald 

    Ökowerk im historischen Wasserwerk in Grunewald
    Dampfmaschine im Ökowerk Berlin
    Kinder bestaunen Modell einer Dampfmaschine im Ökowerk Berlin zur JuniorRoute
    Historisches Kesselhaus im Ökowerk Berlin 1920
    i

    Erbaut
    1872 - 1873, 1892

    Bauherr
    Charlottenburger Wasserwerke GmbH

    Architekt
    Martin Gropius, Hanshent und F. Schmetzer

    Früher
    Wasserwerk Teufelssee

    Heute
    Naturschutzzentrum

    Das historische Wasserwerk Teufelssee, heute Ökowerk, liegt mitten im Grunewald. | © Naturschutzzentrum Ökowerk, Foto: Andreas Schmidt

    Mitten im Grunewald liegt das älteste erhaltene Wasserwerk Berlins. Das idyllisch am Teufelssee gelegene Industriedenkmal ist heute das Zuhause des Naturschutzzentrum Ökowerk. Die Bedeutung von sauberem Wasser ist ein zentrales Thema der vielfältigen Bildungsangebote.

    Mitte des 19. Jahrhunderts ist die westlich von Berlin gelegene und finanzstärkste Stadt Charlottenburg Sommerresidenz des Königs von Preußen und zudem Ausflugsziel für viele Berlinerinnen und Berliner. Mehr und mehr wohlhabende Bürger lassen ihre Villen hier errichten, wozu 1866 Johannes Werckmeister, Johannes Quistorp und Martin Gropius die Baugesellschaft Westend & Co AG gründen. Der Anschluss an eine zentrale Wasserversorgung ist ein wichtiges Verkaufsargument. Werkmeister beginnt mit der Planung und dem Bau eines Wasserwerkes am Teufelssee. Doch 1868 geht die Baugesellschaft in die Insolvenz. Quistorp steigt aus und sein Bruder Heinrich übernimmt als Großinvestor das Management der neuen Westend-Gesellschaft Quistorp & Co. Fertiggestellt wird das Wasserwerk 1872. Im Laufe der Zeit werden von hier aus weitere Haushalte außerhalb Berlins bis nach Rixdorf mit Wasser versorgt.

    1920 wird Charlottenburg Teil der neu gegründeten Stadtgemeinde Groß-Berlin. Das Wasserwerk am Teufelssee wird deshalb fortan durch die neu gegründete Berliner Städtischen Wasserwerke AG verwaltet. Rund 100 Jahren ist es in Betrieb. Dann genügt es den hygienischen und technischen Ansprüchen nicht mehr. 1969 droht schließlich der Abriss, den öffentlicher Protest verhindert. Naturschutzvereine und Einzelpersonen schließen sich Anfang der 1980er-Jahre zusammen und gründen den Verein Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin. , Der anerkannte Naturschutzverband ist seitdem hier im Bereich Umweltbildung aktiv. Das Gebäudeensemble wurde restauriert und enthält noch heute wesentliche Teile der historischen Technik.

    Zwischen Teufelssee, Streuobstwiesen und Erlebnisgärten bietet das Ökowerk ein vielfältiges Programm. Geheimnisvolle Orte wie den unterirdischen Reinwasserspeicher erleben Besucherinnen und Besucher bei einer Führung. Eine GPS-Rallye lädt kleine Gruppen dazu ein, dass Gelände auf eigene Faust zu erkunden.

    Der Wasserversorgung Berlins ist ein Meilenstein der Berliner Industriegeschichte gewidmet.

    Adresse

    Teufelsseechaussee 22
    14193 Berlin-Grunewald

    Kontakt

    Tel.: 030/3 00 00 50
    info@oekowerk.de
    www.oekowerk.de

    Anfahrt

    S-Bahn: S3, S9 (Haltestelle Heerstraße), S7 (Haltestelle Grunewald).
    Bus: M19, 186, 349 (Haltestelle Grunewald).
    Achtung: von dort je 20 Minuten Fußweg

    Öffnungszeiten

    Sommer:
    Mi. bis Fr.: 10.00 bis 18.00 Uhr
    Sa., So., Feiertag: 12:00 bis 18:00 Uhr

    Winter:
    Mi. bis Fr.: 10.00 bis 16.00 Uhr
    Sa., So., Feiertag: 11:00 bis 16:00 Uhr

    Eintritt

    Gelände frei zugänglich

    Führungen

    Zum Wasserwerk und weiteren Themen, Termine siehe Website und nach Vereinbarung

    Barrierefreiheit

    Eingeschränkt

    Best of

    Sauber und Gesund

  • Haus des Rundfunks des rbb

    Vollkommener Klang in moderner Architektur 

    Treppenhaus mit Lampe im Haus des Rundfunks rbb
    Eingang mit Schriftzug Haus des Rundfunks rbb
    Großer Sendesaal im Haus des Rundfunks rbb
    Historisches Luftbild Haus des Rundfunks 1957
    i

    Erbaut
    1929 - 1931

    Bauherr
    Reichsrundfunk-GmbH

    Architekt
    Hans Poelzig

    Früher
    Produktions- und Sendehaus

    Heute
    Medienzentrum

    Der beeindruckende Lichthof im Haus des Rundfunks verbindet die Sendesäle miteinander. | © rbb, Foto: Hanna Lippmann

    Mattbrauner Klinker außen, vollkommener Klang im Inneren. Das Haus des Rundfunks des rbb in Berlin-Charlottenburg gehört zu Europas ältesten Rundfunkhäusern. Architekt Hans Poelzig plant 1929/30 erstmals ein Gebäude, das speziell auf die Bedürfnisse des neuen Mediums Rundfunk zugeschnitten ist. Der ungewöhnliche dreieckige Grundriss sorgt für eine optimale Schallisolierung in den Sendesälen. Diese befinden sich im Inneren des Hofes und somit weit entfernt vom Lärm der Straße.

    Das NS-Regime erkennt schnell die Möglichkeiten des Rundfunks. Das Programm: Musik, Anleitungen zum Sport und nationalsozialistische Propaganda. Der „Reichssender Berlin“ sendet bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Haus in Charlottenburg. Ab Mai 1945 kontrollieren die sowjetischen Alliierten das Haus des Rundfunks, das jedoch im britischen Sektor liegt. Nach und nach berauben sie das Haus seiner technischen Anlagen und statten damit das neue Funkhaus an der Nalepastraße im sowjetischen Sektor aus. Die Briten finden 1952 schließlich ein weitgehend leeres Gebäude vor. Nach aufwändiger Sanierung und technischer Neuausstattung sendet ab 1957 der „Frontstadtsender“ Sender Freies Berlin (SFB) aus der Masurenallee.

    Seit 2003 produziert der Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) nicht nur Radio, sondern auch Fernsehen vor Ort. Künftig soll das denkmalgeschützte Haus des Rundfunks mit dem Fernsehzentrum und einem neuen Medienhaus Teil eines Digitalen Campus sein. Führungen sind nach Anmeldung möglich.

    Der Geschichte des Rundfunks ist ein Meilenstein der Berliner Industriegeschichte gewidmet.


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    Adresse

    Masurenallee 8-14
    14057 Berlin-Charlottenburg

    Anfahrt

    U-Bahn: U2 (Haltestelle Theodor-Heuss-Platz)
    S-Bahn: S41, S42
    (Haltestelle Messe Nord/ICC)
    Bus: M49 (Haltestelle Haus des Rundfunks)

    Öffnungszeiten

    Nur im Rahmen einer Führung zugänglich

    Eintritt

    Führung kostenfrei

    Führungen

    Termine virtuell und vor Ort siehe Website, telefonische Anmeldung notwendig

    Barrierefreiheit

    Ja, mit Anmeldung

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